Schulalltag

Schulabschlüsse an der Berufsbildenden Schule in Niedersachsen

Ich schrieb nach einigen Rückfragen mal einen Thread auf Twitter, wie man an den Berufsbildenden Schulen Niedersachsens seinen Schulabschluss erlangen kann. Und was man da sonst noch so machen kann – außer zur Berufsschule zu gehen (Spoiler: Sehr viel).

Damit das Ganze nicht verloren geht, werde ich es in diesem Post noch einmal versuchen zusammenzufassen, wieder sortiert nach Schulformen – aufführen werde ich Eingangsvoraussetzungen, Ziel & Zweck der Schulform und die möglichen Abschlüsse.

BbS = Berufsbildende Schulen
Das ist der Überbau. Es gibt keine Schulform dieses Namens, die jemand besuchen könnte. Unter diesem Dach sind vielmehr alle Schulformen versammelt.

BVJ – Berufsvorbereitungsjahr
Schulform für SuS, die ohne Abschluss kommen, oft auch von Förderschulen bzw. mit Förderbedarf von den allgemeinbildenden Schulen. In der Regel wird kein Abschluss erlangt.
Es gibt fachtheoretischen und fachpraktischen Unterricht in zwei beruflichen Kombinationen. Die Kombinationen werden von der Schule festgelegt.

BEK = Berufseinstiegsklasse
Kann ohne Schulabschluss besucht werden, am Ende wird der Hauptschulabschluss erlangt (bei entsprechenden Noten).
Fachtheoretischen und fachpraktischen Unterricht gibt es nur noch in einer beruflichen Fachrichtung. In diesen Fächern werden sogenannte Qualifikationsbausteine absolviert. „Klassisch“ Fächer kommen für den Hauptschulabschluss hinzu.

BFS = Berufsfachschule
Es gibt zwei Varianten der Berufsfachschule:

  • Einjährige Berufsfachschule
    Hier werden grundlegende berufliche Kenntnisse erlangt. Eingangsvoraussetzung ist in der Regel der Hauptschulabschluss, es kann Abweichungen davon geben (legt die Schule fest)! Wenn z.B. der Sekundarabschluss I als Eingangsvoraussetzung festgelegt wird, kann dort ein höherer Abschluss erreicht werden, in diesem Fall der Erweiterte Sekundarabschluss I.
    Das BFS-Jahr kann außerdem (bei entsprechenden Noten) als 1. Ausbildungsjahr anerkannt werden (Entscheidung des Ausbildungsbetriebes!).
  • Mehr-/Zweijährige Berufsfachschule
    Diese Berufsfachschulen führen zu einem Berufsabschluss. Die Abschlüsse lauten meist „XY-Assistent*in“, z.B. Sozialassistent*in, pharmazeutisch-technische/r Assistent*in, und ähnliches…
    Diese Schulformen können bei einem entsprechenden Angebot mit Mathe- und Englisch-Unterricht und einem vorhandenem Sekundarabschluss I am Ende den schulischen Teil der Fachhochschulreife vermitteln. Eine anschließende Berufsausübung (oder Praktikum) von sechs Monaten vermittel den praktischen Teil und damit die vollständige Fachchochschulreife.

BS = Berufsschule
Die klassische Schulform, die wohl alle kennen. Teil des dualen Systems.
Am Ende steht der Berufsabschluss (von den Kammern) und der Berufsschulabschluss (von den Schulen). Wer beim Start einen Hauptschulabschluss hat, bekommt am Ende den Realschulabschluss zuerkannt (bei entsprechenden Noten).
Das Berufsschulzeugnis wird relevant, wenn man Meister- oder Technikerschule besuchen möchte. Für die Berufsausübung wäre das Zeugnis der Kammer ausreichend.

FOS = Fachoberschule
Hier gibt es die Unterscheidung zwischen Klasse 11 und 12:

  • Klasse 11
    Absolviert wird ein Jahrespraktikum (i.d.R. 3 Tage/Woche) plus Schule (2 Tage/Woche). Kann mit dem Realschulabschluss begonnen werden. Am Ende folgt der Übergang in Klasse 12.
  • Klasse 12
    Dieses Jahr ist rein schulisch, kein Praktikum mehr. Am Ende steht die Prüfung (und hoffentlich das Erreichen) der Fachhochschulreife. Eine 2. Fremdsprache ist dafür nicht notwendig. Wird an einigen Standorten für den weiteren Weg aber angeboten.
    Es ist bei bereits vorhandenem Berufs-/Berufsschulabschluss auch ein direkter Einstieg in Klasse 12 und ein anschließender Übergang in die BOS möglich.

BOS – Berufsoberschule
Entspricht Klasse 13. Eingangsvoraussetzung ist einerseits die Fachhochschulreife, andererseits ein Berufs-/Berufsschulabschluss.
Am Ende steht die Hochschulreife. Die kann sich aber unterscheiden:
Entweder: Wer nie eine zweite Fremdsprache belegt hat, bekommt die fachgebundene Hochschulreife zuerkannt.
Oder: Wer auf allgemeinbildender Schule in vier aufeinander folgenden Jahren eine zweite Fremdsprache erfolgreich belegt hat oder aber in FOS 12 und der BOS jeweils 4h/Woche eine zweite Fremdsprache belegt hat, bekommt die allgemeine Hochschulreife zuerkannt.
(Mehr zu den Abschlüssen weiter unten.)

BG – Berufliches Gymnasium
Läuft wie die Oberstufe an den allgemeinbildenden Gymnasien, nur die Fächer sind eben anders.

Dann gibt‘s später noch Meister- und Technikerschulen. Diese Abschlüsse sind gleichwertig mit der Hochschulreife und ermöglichen entsprechend einen Zugang zur Universität.

Zu den Abschlüssen:

Es gibt den Sekundarabschluss I als Abschluss von der Hauptschule (10. Klasse) und von der Realschule. Diese sind tatsächlich nicht identisch. Wer z.B. mit ersterem in eine Ausbildung startet, bekommt am Ende letzteren zuerkannt.
Und es gibt den sogenannten Erweiterten Sekundarabschluss I.

Die unterschiedlichen Hochschulzugangsberechtigungen
Fachhochschulreife: Studiert werden können alle Studienfächer an allen Fachhochschulen.
Fachgebundene Hochschulreife: Studiert werden können nur Studienfächer, die dem Abschluss (berufliche Fachrichtung) entsprechen, an allen Hochschulen (Universitäten).
Allgemeine Hochschulreife: Studiert werden können alle Studienfächer an allen Hochschulen (Universitäten).

Ein „Fachabitur“ existiert NICHT!

Aus eigener Erfahrung: Wenn es am Gymnasium so gar nicht klappt und man auch keinen Sinn sieht – man kann am Ende trotzdem noch an der Universität landen.
Das ganze System sieht nicht unbedingt gleich logisch aus, aber es ist wirklich durchlässig. Es dauert durchaus, bis man am Ziel ankommt, aber grundsätzlich gibt es ausreichend Wege, die dorthin führen.

Bei mir bedeutete das:
Gymnasium nach der 11. abbrechen mit dem erw. Sek-I-Abschluss, den ich nach der 10. erhalten hatte. Dann zwei Jahre Berufsfachschule um gestaltungstechnische Assistentin zu werden. Während der zwei Jahre auch Mathe- und Englisch-Unterricht mitmachen, sodass man auch den schulischen Teil der Fachhochschulreife bekam. Durch die Berufserfahrung den praktischen Teil nachweisen und die allgemeine Fachhochschulreife zuerkannt bekommen. Mit diesen beiden Abschlüssen dann in die BOS einsteigen, 9 Monate lang auf den Hosenboden setzen, in den sechs Jahreszeugnissen vom Gymnasium damals ausreichend Kenntnisse einer zweiten Fremdsprache nachweisen können und damit die allgemeine Hochschulreife bekommen.
Anschließend an die Universität dürfen. Und ein paar Jahre später an die Berufsbildende Schule zurückkommen. Weil man dieses System so mag ❤

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