Medien, Schulalltag

Warum ich eben doch keine Digitalisierungsgegnerin bin

Neulich habe ich mich hier mal über meinen Frust ausgelassen. Was mich an der Digitalisierung und Digitalität und der damit verbunden Debatte so stört.
Auf diesen Beitrag gab es für meine Verhältnisse relativ viel Reaktion. Und auch mein kleiner Twitter-Account meldete sich ständig mit neuen Push-Benachrichtigungen. Es gab einigen Zuspruch und einige Beiträge, die mich zum weiteren Nachdenken anregten.

Was letztere in mir auslösten, will ich nun mal versuchen zusammenzufassen: Ich bleibe dabei, dass auch mein manchmal sehr analoger Unterricht guter Unterricht sein kann. Und dass ich es nicht verwerflich finde, Dinge auch mal auszuprobieren – egal ob das nun analoge oder digitale Medien/Methoden sind.
Auf der anderen Seite denke ich (nun), dass es eine Meta-Diskussion geben muss – die eben darüber geführt wird, wie Unterricht unter den Bedingungen der Digitalität aussehen muss und wie wir Schüler*innen auf die aktuellen Bedingungen der Welt vorbereiten können – wie also zeitgemäße Bildung aussehen muss.

Aber ich möchte diese beiden Aspekte für mich vorerst trennen: Ich möchte in meinem Unterricht digitale Bildung „nutzen“ (mir fehlt ein passenderes Verb…) und ich möchte über zeitgemäße Bildung nachdenken.
Ich möchte also Tools nutzen, nur als Ersatz für analoge Medien, zum Spaß, zum ausprobieren. Und ich möchte aber auch Lernsituationen möglichst ganz in ein digitales Setting einbetten und ich möchte die Digitalität zum Unterrichtsthema machen (dazu demnächst hoffentlich mehr).
Ich möchte einfach mal klein anfangen, oder wie, Herr Prof. Klimmt (Tag der Medienkompetenz, Hannover) es nannte: Ich mache Guerillapädagogik.

Warum nun? Warum bin ich nun eben doch keine Gegnerin?
Kurz gefasst: Weil ich es nicht kann.
Das fängt damit an, dass mir immer und überall in den 6,5 Jahren Ausbildung gesagt wurde, dass ein Unterricht nach Möglichkeit einen Lebensweltbezug (Alltag oder Beruf) benötigt. Und neue Medien sind einfach die aktuelle Realität. Meine Schüler*innen sind ständig und immer davon umgeben. Warum meine ich, dass ich sie in meinen 90 Minuten streng davon abschotten muss? Das ist doch unlogisch. (* passende Anekdote: siehe unten.)
Zum Anderen: Ich kann einfach nicht negativ genug denken dafür. Neulich auf einer Fortbildung kamen sie wieder – diese Schlagwörter Datenkrake, Big Brother, Überwachung, … Und ich merkte (mal wieder), ich bin einfach ein absoluter Optimist. Ich sehe grundsätzlich immer die Chancen, das positive. Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass wir über Datenschutz reden müssen (auch mit Schüler*innen), aber immer die Bedenkenträgerin spielen? Ne, das ist mir echt zu anstrengend. Ich kann mich sonst schon nicht mit dauer-meckernden Menschen unterhalten, da fange ich bei diesem Thema erst recht nicht mit an. Beide Seiten anschauen, abwägen? Alles klar, dann bin ich wieder dabei.
Und Chancen, da sehe ich so einige. Mehr Motivation, Kreativität, Spaß, … ach, bei den Schüler*innen? Ja, klar, da auch. Aber eben auch bei mir. Denn auch wenn ich noch nicht mit einem Handy in der Hand geboren wurde – die Hälfte meines Lebens habe ich sicher damit verbracht. Und mit Computern wohl schon 2/3 meines Lebens. Ich kenne das auch nicht anders. Ich will das nutzen.

Ich will das nutzen! Und ich fange damit jetzt mal so an, wie es mir passt. Mit ein paar Apps auf dem iPad und als Unterrichtsthema.
Ich werde berichten, wie‘s läuft.

Die versprochene Anekdote.
Es muss ungefähr 20 Jahre her sein, dass ich in der 7. Klasse war. Ich hatte einen Geschichtslehrer, der mir damals sehr alt vorkam. (Ich würde das auch heute noch ähnlich einschätzen…) Der ließ gerne Kurztest schreiben, bei denen wir mit einem bis maximal drei Wörtern antworten konnten und sollten. Für diese Tests hatte er eine Kopiervorlage: Ein vertikal halbiertes A4-Blatt, auf dem dann 12 (oder 15?) Kästchen waren zum Eintragen der Lösungen, immer noch mal umrandet und mit davor stehender Nummerierung.
Und diese Kästchen waren sehr sauber ordentlich von Hand gezogen, mit Lineal, natürlich. Und die Nummern davor auch sehr akkurat geschrieben, vielleicht war es sogar Normschrift?
Jedenfalls – diese Bögen kamen mir „damals“ schon so unglaublich altmodisch vor! Es gab doch Computer?!

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