Gedanken, LLD, Medien

Video-Interview: Digitalität in der Religionspädagogik

Für die Online-Lernumgebung „Lehren – Lernen – Digitalität“ der Universität Luzern hatte ich ja einige Artikel beigesteuert:

Zu diesen Artikeln konnten die Teilnehmenden dann Rückfragen stellen:

Made with Padlet

Bezüglich dieser Rückfragen habe ich David Wakefield dann in einem Videointerview Rede und Antwort gestanden und mit ihm über meine Ansichten dazu gesprochen. Wer das Video nicht schauen möchte – meine Vorüberlegungen habe ich unten eingefügt. Und, weil ich ja manchmal etwas länger zum Denken brauche: Ich hätte da noch zwei Ergänzungen hinzuzufügen nach dem Video!

Ergänzen möchte ich nun noch:
Ich habe im Interview erwähnt, dass ich den Religionsunterricht in der Pflicht sehe, digital zu arbeiten und Medienkompetenz zu fordern und zu fördern. Ich argumentiere mittlerweile so, weil ich diese Frage danach, ob das nun denn auch noch im Religionsunterricht stattfinden müsse, so oft gestellt bekomme. Was ich daher im Interview nicht gesagt habe, mir aber jetzt noch einmal wichtig ist: Ich sehe nicht nur den Religionsunterricht in der Pflicht! Sondern natürlich alle Fächer. Und auch die medienethische Komponente kann und soll in anderen Fächern ihren Platz finden. Nur, weil es mit Ethik zu tun, sind nicht gleich wir im Religionsunterricht dafür zuständig…

Und als zweites noch ein Nachtrag zum Thema instagram: Ich hatte gesagt, dass ich wahrnehme, dass bei instagram ein stärkerer Fokus auf dem visuellen liegt – was ja auch logisch ist. Das führt allerdings, so mein Eindruck, auch dazu, dass es mehr um Werbung für Materialien geht und weniger um eine inhaltliche oder fachliche Auseinandersetzung. Tiefergehende Diskussionen vermisse ich da. Falls ich da etwas übersehen sollte, freue ich mich über Hinweise 🙂


Hier noch meine Antworten aus dem Video in Textform (wie ich sie mir vorher überlegt hatte):

Ist es Aufgabe des Religionsunterrichts, sich kritisch mit neuen Medien auseinander zu setzen? Findet das nicht schon anderenorts statt?
Ich finde schon, dass es auch Aufgabe des Religionsunterrichtes ist, sich kritisch reflektierend mit neuen Medien auseinander zu setzen. Medienkompetenz beinhaltet ja auch medienethische Komponente und die findet doch am ehesten ihren Platz im Religionsunterricht.
Andere Gründe, warum Medienkompetenz gut in den RU passt, hatte ich ja auch im Artikel genannt. Also das Konzept des Problemunterrichtes und die Sprachkompetenz… Was ja bedeutet, die eigenen Ausdrucksmöglichkeiten zu schulen und zu entwickeln und als ein diskussionsorientierter Unterricht ist der Religionsunterricht da natürlich prädestiniert. Und auch die eben angesprochenen ethischen Aspekte finden inhaltlich natürlich eine gute Anknüpfung an diverse Themen des Religionsunterrichtes.
Und wenn man es nun nicht im Religionsunterricht machen würde, stellt sich ja die Frage: Wo dann? Zumindest in den Schulformen, in denen ich unterrichte, ist in den anderen Fächern nicht wirklich Zeit und Raum dafür. Am ehesten würden sich ja vielleicht der Politik- oder Deutsch-Unterricht anbieten – aber dort sind die Lehrpläne deutlich voller als bei mir in Religion. Das mag nun in anderen Bundesländern hier in Deutschland bzw. in der Schweiz oder in Österreich auch wieder ganz anders aussehen.
Aber, für meine Schulformen und aus meiner Erfahrung heraus kann ich sagen: Ja, der Religionsunterricht ist genau der richtige Ort dafür! Weil es Zeit und Raum dafür gibt und weil es inhaltlich gute Anknüpfungspunkte gibt.

Bietet sich nicht gerade die Chance, sich als RU dadurch zu profilieren, nicht auch noch auf Digitalisierung zu setzen, sondern den Kindern und Jugendlichen bewusst eine Auszeit zu gönnen?
Klar. Grundsätzlich kann ich das machen. Und ich bin auch absolut keine Verfechterin davon, dass alles immer und ständig digital ablaufen muss.
Aber! Mir muss auch klar sein, wenn ich den Religionsunterricht zur digitalfreien Zone erkläre, mache ich mich auf Dauer unglaubwürdig. Dann ist der Religionsunterricht wieder mal DER Unterricht, der anders ist. Und ich persönlich halte das nicht für gut auf Dauer.
Natürlich ist der Religionsunterricht der Unterricht, der mal Zeitfenster hat für andere Themen, mal andere Möglichkeiten hat und andere Zugänge bieten kann. Aber grundsätzlich sehe ich meinen Religionsunterricht als Teil des normalen Fächerkanons in der Schule. Und ich möchte meinen Unterricht als Teil dieses Kanons akzeptiert und respektiert wissen. Und das erreiche ich sicherlich nicht, wenn ich „anders“ bin.
Und zuletzt: Ich fände es auch einfach schade, wenn das Potenzial der neuen digitalen und interaktiven Medien einfach ungenutzt bliebe. Da gibt es doch so viel – warum sollten wir uns das nicht zunutze machen?
Zusammengengefasst: Ich kann digitalen Pausen auf jeden Fall etwas abgewinnen! Die haben auch ihre Berechtigung. Und ich verweise ja auch immer wieder darauf, dass das gemeinsame Gespräch und Diskussionen und Auseinandersetzungen innerhalb und mit der Lerngruppe einen immens wichtigen Anteil im Religionsunterricht haben sollten. Daran lernen und wachsen alle. Aber deswegen vollständig auf neue Medien im Religionsunterricht zu verzichten halte ich für den falschen Weg!

Was ist eigentlich der Mehrwert digitaler Medien im Unterricht?
Da würde ich erst mal gerne zurückfragen: Was ist denn der Mehrwert analoger Medien im Unterricht?
Warum wird von digitalen Medien ein Mehrwert verlangt? Nur, weil die jetzt neu sind? Weil es das analoge eben immer schon gab?
Ich finde die Frage in dieser Art einfach obsolet. Wir können gerne über die Potenziale analoger und digitaler Medien gleichermaßen sprechen, aber das eine gegen das andere auszuspielen finde ich unnötig. Ich bin ja ohnehin eine große Verfechterin von analog UND digital und nicht von einem entweder oder.
Tatsache ist ja aber nun mal, dass es zu analogen Medien und Methoden schon jede Menge Literatur gibt, wohingegen die neuen Medien eben nun mal neu sind und es daher momentan eine Fokussierung darauf gibt. Und das finde ich auch vollkommen ok.
Man muss nur eben nicht die falsche Schlussfolgerung ziehen, dass man jetzt nur digital unterwegs sein sollte, weil das eben gerade viel diskutiert, besprochen und beschrieben wird.

Im Gegenteil: mit Verweis auf Hattie höre ich dann, dass der klassische vermittelnde Unterricht lernwirksamer ist. Was antworte ich darauf.
Bezüglich der Lernwirksamkeit: Ich bin da ja relativ stumpf. Ich antworte dann einfach auch mal mit „Ich will trotzdem mal was ausprobieren.“ Oder: „Lass mich doch scheitern.“
Bei Gegenwind muss man sich vielleicht doch ein etwas dickeres Fell zulegen und manche Aussagen ignorieren.

Und, wo finde ich Menschen, mit denen ich mich vernetzen kann?
Für mich war in Sachen Vernetzung ja Twitter die „Erlösung“. Dort habe ich so viele Gleichgesinnte getroffen, wie sonst nirgends. Und auch all die Projekte, in die euch heute involviert bin und an denen ich gerne mitarbeite haben für mich dort ihren Ursprung.
Klar, die Menschen, die ich dort getroffen habe, sind nicht an meiner Schule, in den meisten Fällen nicht mal in meinem Bundesland oder kennen das berufliche Schulsystem. Aber trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen? – habe ich als sehr gewinnbringend erlebt, meine Gedanken mit diesen neu gewonnen Bekannten und Freunden auszutauschen, gemeinsam zu reflektieren und Ideen weiter zu spinnen. Manchmal hilft es ja wirklich schon, etwas laut auszusprechen, um voran zu kommen und eben nicht stehen zu bleiben.

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